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Das Preußische Maß in Preußen von 1816 bis 1869.


Zitat: Es darf niemals vergessen werden, dass Vermessungen, um die es sich hier handelt, nicht um ihrer selbst willen, sondern zur Befriedigung bestimmter praktischer Bedürfnisse auszuführen sind. Wer dies unbeachtet lässt, indem er über den Zweck der Vermessung hinaus unnötig Arbeit und Kosten aufwendet, wird das Ansehen des Vermessungsbetriebes schädigen.
Carl Friedrich Gauß, deutscher Mathematiker, Geodät, Astronom und Physiker ( 1777 - † 1855 )


Nach der napoleonischen Zeit und den Befreiungskriegen wurde Europa auf dem Wiener Kongress, der insgesamt 9 Monate dauerte, neu aufgeteilt. Die Ergebnisse des Wiener Kongresses wurden in der Wiener Kongressakte vom 9. Juni 1815 zusammengefasst. Die Delegation Preußens beim Wiener Kongress war mit Fürst von Hardenberg und Wilhelm von Humboldt durch prominente preußische Diplomaten besetzt aber Sie spielten in der späteren Geschichtsschreibung zum Wiener Kongress zu Unrecht nur eine neben Rolle. Doch was Sie erreichten, sollte Preußen den Weg an die Spitze im Deutschenbund ebnen und Österreich stark schwächen. Da hatte sich Fürst Metternich, der Staatskanzler des Habsburgerreiches, gründlich verspekuliert, statt Preußen klein zu halten, hat er unfreiwillig alle Voraussetzungen geschaffen zum weiteren Aufstieg von Preußen aber auch leider zu seinem späteren Untergang. Das konnten Hardenberg und Humboldt noch nicht wissen, doch mit dem Rhein-Ruhr-Gebiet, der späteren Provinz Westfalen, bekam Preußen Zugriff auf Rohstoffe und ein gewaltiges Industriegebiet entstand im Laufe von nur wenigen Jahren. Die Deutsche Bundesakte als ein Teil der Wiener Kongressakte war für die weitere Entwicklung des Königreich Preußen aber noch viel bedeutender. Der Kongress führte Deutschland wieder zu dem Zustand von nur lose miteinander verbundener einzelner Staaten des verfallenden Römischen Reichs Deutscher Nation zurück aber ohne irgendwelche auch nur im Ansatz nationale Einrichtungen zu Schafen. Die einheits- und freiheitsfeindliche Politik, vor allem die österreichische Politik von Metternich war dafür verantwortlich. Das Königreich Preußen bekam alle Kerngebiete, sowie auch die Gebiete aus der zweiten polnischen Teilung samt Danzig, zurück und im Westen bekommt es das Rheinland und Westfalen zugesprochen. Durch diesen erheblichen Gebietszuwachs im Westen übernahm nun das Königreich Preußen die sogenannte "Wacht am Rhein". Diese Schwerpunktverlagerung von Preußen zur Westgrenze und dann nach Deutschland hinein konnte und sollte nicht ohne Folgen bleiben. Das Auge der preußischen Politik verlagerte sich nach und nach vom Osten nach dem Westen, was für den späteren deutschen Einigungsprozess eine fundamentale Voraussetzung war. Des Weiteren erhält es Vorpommern mit Rügen (Schwedisch-Pommern) und den nördlichen Teil des Königreichs Sachsen. Preußen bestand jetzt aus den Provinzen Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern, Schlesien (Nieder- und Oberschlesien), Brandenburg, Sachsen, Westfalen und Rheinprovinz. Die Provinz Westpreußen wurde von 13. April 1824 bis 1. April 1878 mit Ostpreußen zur Provinz Preußen vereinigt. Im Jahre 1834 kam das kleine Fürstentum Lichtenberg (11 Quadratmeilen) mit Sachsen-Coburg-Gotha durch Vertrag vom 31. Mai 1834 (PrGS: S. 159) an Preußen und wurde der Rheinprovinz angeschlossen. Bis zum Jahre 1866 gab es dann im Königreich Preußen keine weiteren bedeutenden Gebietsveränderungen. Nach dem Deutschen Krieg 1866 entstanden die neuen Provinzen Schleswig-Holstein, Hessen-Nassau und Hannover.

Die militärische Katastrophe von 1806 und der spätere Friedensschluss mit Napoleon war eigentlich für Preußen in einer gewissen Weise auch ein Glücksfall. Durch den Frieden von Tilsit auf sein Kerngebiet, Preußen, Brandenburg und Schlesien reduziert, war man gezwungen den Staat neu zu Organisieren. Man erkannte das Reformen in allen Bereichen des Staates, vom Militär über die Verwaltung bis hin zur Wirtschaft, das oberste Gebot der Stunde war.

Die Durchführung der im königlichen Edikt vom 27. Oktober 1810 verheißenen Steuerreform musste zunächst der als viel dringlicher erkannten sozialen und militärischen Reformen, insbesondere der Regelung der gutsherrlichen bäuerlichen Verhältnisse (Edikt vom 14.09.1811) nachstehen. Durch die Edikte des Jahres 1811 wurden z. B. in Pommern von den 260 Quadratmeilen Landes, welches die Ritterschaft besaß (darunter waren 100 Quadratmeilen bäuerliches Land), 70 Quadratmeilen freies Eigentum der Bauern. Letztlich aber war durch den Umstand, dass in den teils zurückgewonnenen, teils neu erworbenen Landesteilen, unter der französischen Herrschaft, die Aufstellung eines Parzellenkatasters begonnen worden war, eine Neuregelung der Grundsteuer unabwendbar geworden. Der im März 1817 als höchste beratende Stelle eingesetzte Staatsrat forderte eine gerechtere Verteilung der in den Provinzen erhobenen Steuern. Nach dem Vorbild der westlichen Provinzen wird aber erst 1861 zur Neuordnung der Grundsteuererhebung auch für die östlichen Provinzen Preußens ein Parzellenkataster erstellt. Doch für die Entwicklung von Preußen waren die Zollgesetze vom 11. Juni 1816 für das Kerngebiet sowie vom 26. Mai 1818 für ganz Preußen, die alle Binnenzölle innerhalb des preußischen Staatsgebietes abschafften, von entscheidender und enormer Tragweite. Es wurden nicht weniger als 58 Binnenzölle, sowie alle noch existierenden Zoll Schranken zwischen den Städten und dem Platten Lande beseitigt. Nur das Salz und Spielkarten Regal blieb noch erhalten, diese Produkte durften auch weiterhin nicht eingeführt werden. Die Zollgrenze wurde an die Staatsgrenze verlegt. Die Wirtschaft und der Handel begannen, durch diese Impulse enorm aufzublühen. Diese Entwicklung führte am 01. Januar 1833 zur Gründung des Zoll- und Handelsvereins durch Preußen, dem sich im Laufe der Zeit, fast alle Deutschen Staaten anschlossen. Das Gleiche gilt auch für den am 24. Januar 1857 entstandenem deutschem Münzverein. Zum 01. Januar 1834 fielen zwischen 18 deutschen Staaten die Zollgrenzen weg und ca. 23 Millionen deutsche konnten nun frei handeln und verkehren, ohne Kontrollen und Abgaben innerhalb der Zollvereinsstaaten befürchten zu müssen. Zur Erhebung des Ein- und Ausfuhrzolls führte der Zollverein nach französischem Vorbild ein dezimales Gewichtsmaß ein, das Zollpfund zu 500 Gramm. Am 01. Juli 1858 wird das Zollgewicht zum allgemeinen preußischen Landesgewicht, wie auch in allen anderen Staaten des Zollvereins.

Ab 1816 galt im Prinzip immer noch das magdeburgische Maß, besaß aber nun unter der neuen Bezeichnung "Preußisches Maß" in ganz Preußen Gültigkeit. Bei dem preußischen Maß von 1816 bleiben Ruthe und Meile gleich dem Magdeburger Maß (Duodezimalsystem), aber nach Vorbild des neuen französischen, metrischen Systems wurden die kleineren Einheiten durch dezimale Teilung erreicht. Doch angesichts des vehementen Widerstandes, den die normale Bevölkerung in Frankreich der dortigen Einführung des metrischen Systems anfangs entgegensetzte, schreckte man auch in Preußen davor zurück, das metrische Maß System offiziell einzuführen. Die Franzosen waren auch gerade nicht sehr beliebt beim Volk und das Land musste nach dem Befreiungskrieg wieder aufgebaut werden. Man blieb also bei dem alten bewährten System der Maßeinteilung und Maßbezeichnungen, aber die Preußische " Maß und Gewichtsordnung vom 16. Mai 1816 " legt die Größen anhand des Pariser Normalmeters und des Normalkilogramms, die ja von der Toise von Peru abgeleitet sind, fest. Ab dem 1. Januar 1820 galt in ganz Preußen, also in allen Provinzen, nur noch das preußische Maß. Andere Maße waren nur noch im Privatverkehr geduldet.
Bei der Definition der Linie durch dezimale Teilung des Zolls wird sie in 100 Punkte geteilt, bei der Definition durch duodezimale Teilung wird die Linie in 144 Punkte geteilt. Das Grundmaß für den preußischen Staat ist der preußische Werkfuß. Der Zoll, nach dem der Zollstock benannt ist, hat seinen Namen vom mittelhochdeutschen zol = Knöchel. Ihm legte man die Daumenbreite zugrunde. Er ist 1/12 des Fußes bei duodezimaler Teilung oder 1/10 bei dezimaler Teilung. Auch der Zoll wird in eine kleinere Dimension zerlegt, in die Linie. Die dezimale preußische Teilung gab dem Zoll 10 dezimale Linien und die duodezimale preußische Teilung gab dem Zoll 12 duodezimale Linien. Doch in der Praxis kam das preußische Dezimalmaß wieder mal nur bei den Vermessern zum Einsatz.

Der preußische Fuß ist auf einem von Carl Philipp Heinrich Pistor verfertigten „ etalon a traits ” von Eisen mit der Signatur „Pistor & Schiek” von 3 Fuß Länge in Zolle eingeteilt aber der letzte Zoll auf einem eingelegten Silberstreifen in Linien eingetragen. Er hat seine gesetzliche Länge wie die „Toise du Peru” nur bei 13°Réaumur.

Längenmaße: Duodezimalsystem (Werkmaß)

Längenmaße: Dezimalsystem (Feldmaß)

1 preuß. dezimal Ruthe                = 3,7662418 Meter (m)
                                                  = 2 Klafter (Klft.)
                                                  = 12 preuß. Werk- oder Baufuß
                                                  = 10 preuß. Dezimal-Feldfuß (geometrischer Fuß)

12 preuß. duodezimal Werk- oder Baufuß  = 10 preuß. Dezimal-Feldfuß

1 preuß. duodezimal Werk- oder Baufuß  = 0,31385348  Meter (m)
                                                            = 12 preuß. Werk- oder Bau-Zoll
                                                            = 144 preuß. Werk- oder Bau-Linien
                                                            = 1728 preuß. Werk- oder Bau-Scrupel

1 preuß. dezimal Feldfuß                  = 0,376623  Meter (m)
                                                      = 10 preuß. Feld-Zoll
                                                      = 100 preuß. Feld-Linien
                                                      = 1000 preuß. Feld-Scrupel

Flächenmaße im Duodezimalsystem

Amtlich ab 1816 nicht mehr zugelassen und verwendet:

Feld Maß im Dezimalsystem

Zum Messen der Felder wird eine Preußische Quadratruthe von den Vermessern "zehenteilig, hundertteilig und so fort, soweit es nötig ist" eingeteilt.

Körper und Volumenmaße:

Ein preußischer Kubikzoll ist gleich 17,8911 Kubikzentimeter.

Hohlmaße, fest (Getreidemaße)

Die Metze und der Scheffel sind die einzigen gesetzmäßigen Getreidemaße, die für öffentliche Verhandlungen zugelassen sind. Alle anderen Maße dürfen nur im Privatverkehr benutzt werden. Das Getreide wird im öffentlichen wie auch im privaten Gebrauch nur noch gestrichen und nicht mehr gehäuft gemessen.

Zur Erhebung der Steuer auf Flüssigkeiten wird nur nach Quart und Eimer gerechnet.

Hohlmaße, flüssig (Flüssigkeitsmaße)

Gewichtsmaße von 1816 bis 1869

Die Einteilung des preußischen Medizinalgewichts um 1816
PfundUnzenLothDrachmen (Quintlein)SkrupelGran (Gerstenkorn)holl. AssenRichtpfennig
112249628857607452100224
 128244806218352
  1412240310,54176
   136077,6251044
    12025,875348
     11,2937517,4
Die Einteilung des Alten Preußischen Handels-, Münz-, Gold- und Silbergewichtes
ZentnerPfundMarkLothQuentchenGränFranz. Grammen
11102203520140806336051448,244
 1232128576467,711
  11664288233,856
   141814,616
    13,654
     10,812

Gewichtsmaß des Deutschen Zollvereins ab 1858.

Mit der Gründung des Deutschen Zollvereins am 22. März 1833 mit Wirkung zum 1. Januar 1834 hielten auch die Gewichtseinheiten Zollpfund und Zollzentner Einzug. Diese erhielten die auch noch heute in der Umgangssprache bekannten Werte von 500 Gramm (g) für das Pfund und 50 Kilogramm (kg) für den Zentner. Ab 1839 wird der Zollzentner zu 100 Zollpfund à 500 Gramm (g) für alle Mitgliedstaaten im Handel untereinander verbindlich. Die Dresdner Münzkonvention von 1838 legt die preußische Kölner Mark in Silber als einheitliches Maß für die süddeutschen Gulden und die norddeutschen Taler fest. Zur Erleichterung im gegenseitigen Zahlungsverkehr wird die sogenannte Vereinsmünze mit einem festgelegten Silberanteil von 33,333 Gramm (g) bei 37,1 Gramm (g) Gesamtgewicht als gemeinsame Hauptsilbermünze eingeführt. Seit 1852 ist es das Eisenbahngewicht des Zollvereins. Am Ende der 1850er Jahre übernahmen die ersten Staaten diese Einheiten auch als ihr allgemeines Landesgewicht für den Handel. Preußen hebt per Gesetz vom 17. Mai 1856 das alte Pfund auf und führt ebenfalls das Zollpfund als allgemeines Landesgewicht ein, das aber erst mit Wirkung zum 1. Juli 1858 gilt. Das Zollpfund wird ab dem 5. Mai 1857 auch zum Münzgewicht des Zollvereins und 1862 zum Postgewicht des deutsch-österreichischen Postvereins. Das Zollpfund soll 1 Pfund und 2,209158143 Loth des alten preußischen Pfundes wiegen. Das Zollpfund ist ab dem 1. Juli 1858 auch das neue Medizinal- und Juwelen Gewicht in Preußen. Schon in den Zollvereinsverträgen von 1833 vereinbarten die beteiligten Staaten die Absicht dahin zu wirken, dass in allen Vereins Ländern ein gleiches Münz-, Maß- und Gewichtssystem in Anwendung kommen soll. Eine einheitliche Maß- und Gewichtsordnung wird aber erst im Norddeutschen Bund verabschiedet, eine einheitliche Währung kommt erst im Deutschen Reich 1873 zustande.

Das Münzpfund hat 500 Gramm (g), wird aber in 1000 Teile geteilt und der Zehnte teil eines tausendstel Pfundes heißt Ass (Aß) sodass 1 Münzpfund 10000 Ass hat.

Reichsthaler

Die preußische Thaler Münze wurde von 1750 bis 1856 geprägt.
Bis 1821 galt: 1 Reichsthaler = 24 Groschen = 288 Pfennige.
Ab 1821: 1 Reichsthaler = 30 Silbergroschen = 360 Pfennige.

Gewichtsmaße

 Es gilt als Korn- bzw. Hohlmaß der Preußen Scheffel von 1722.

Zähl bzw. Stückmaß

 Das Zähl bzw. Stückmaß Siehe unterDas Zähl bzw. Stückmaß.


Vergleich
Flächenmaßebis 1577 Alt-Kulmisch1577 - 1721 Neu-Kulmisch1721 - 1755 (1792) Oletzkoischab 1793 Magdeburgische Maßab 1816 Preußisch
1 Ruthe 4,322 m 4,389 m 4,170 m 3,766 m 3,766236 m
1 Quadratruthe 18,678 Quadratmeter 19,265 Quadratmeter 17,387 Quadratmeter 14,185 Quadratmeter 14,184 Quadratmeter
1 Morgen 0,5603 ha 0,5780 ha 0,5216 ha 0,2553 ha 0,255322 ha
1 Hufe 16,810 ha 17,339 ha 15,648 ha 15,318 ha 7,6597 ha

Beispiele für die Umrechnung von alten Flächen Maßen ins neu Preußische Maß

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